Madagaskar - Insel der Schmerzen

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Der absolute Hardcore Angelurlaub von Jens stand an. Zusammen mit Stefan und Hauke ging es nach Madagaskar. Es wird schwer, jemals eine großartigere Fischerei zu erleben!

Ort / Gewässer: Madagaskar
Zielfisch: GT, Snapper, Grouper, Hai

Lachssaison 2016: Drei blöde kommen im April beim Trollingtreffen tatsächlich auf die Idee, dass es doch noch andere Inseln neben Rügen geben muss. Fast ein Jahr später war es dann soweit:  Am 08.03.2017 ging es morgens endlich in den Flieger.

Erster Stopp war Paris: Ein verlorener Koffer und diverse Bier vom Kiosk ließen die sieben Stunden Aufenthalt gar nicht sooo lange erscheinen. Länger musste aber auch nicht sein, Franzosen weigern sich nämlich tatsächlich auch auf einem internationalen Flughafen bei McDonald´s Englisch zu sprechen… Ein sehr interessantes Völkchen.

Dann ging es über Nacht weiter nach Mauritius. Noch mal kurz zwei Stunden den Flughafen erkunden und weiter ging es. Gegen Mittag landeten wir dann endlich in Nosy Be, dem Flughafen der „Insel der Schmerzen“.

Wir waren gut vorbereitet: Jeder hatte ein paar „Gifts“ für die geschäftstüchtigen, aufrichtigen Beamten in Form einiger Euromünzen in der Tasche. Jens Versuch um ein „Geschenk“ herumzukommen endete fast im kompletten Auskippen seiner Tasche. Gerade noch die Kurve bekommen, das „Geschenk“ wurde dann eben ein wenig großzügiger!

Bei 30 Grad im Schatten, Sonne von oben und einer Luftfeuchtigkeit von über 80% wurde es uns recht schnell warm in den Jeans. Aber die Sachen wurden schnell verstaut und weiter ging es mit Autos, an denen unser TÜV seine helle Freude gehabt hätte, Richtung Mitsio Fishing Lodge.

Auf dem Weg war schnell zu erkennen, dass wir westliche Qualitätsstandards weit hinter uns gelassen hatten. Fließend Wasser und Strom waren definitiv eher die Ausnahme als die Regel. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreichten wir die Lodge. Badehose und FlipFlops an, dann kam bei einer Hopfenkaltschale im Restaurant des Hotels mit Blick auf den Ozean das erste Mal so richtig Urlaubsstimmung auf.

Zu uns Lachsanglern gesellten sich noch Weltenbummler, Sportex-Teamangler, Baltrumer Insulaner, Österreicher, Schwaben und einige mehr. Eine unglaublich bunte Truppe bei denen jeder einzelne auf eine unglaublich sympathische Art und Weise voll einen am Band hatte. Wer kommt schließlich sonst auf die Idee, für einen Angeltrip ans andere Ende der Welt zu fliegen…

Eigentlich hätte es am selben Tag noch auf die Katamarane gehen sollen. Aber ein Zyklon hatte uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und so konnten wir erst einen Tag später starten. Der Tag wurde aber hinten dran gehängt. Wir waren beruhigt!

Am nächsten Tag starteten wir mit den Angelbooten gegen Mittag. Die Katamarane, die für die nächsten sechs Nächte unsere Unterkünfte sein sollten, waren schon vorgefahren. Nach drei Stunden Fahrt bei teilweise zwei Meter Restwelle erreichten wir die Bucht der ersten Übernachtung.

Unsere Reisegruppe bestand aus acht Anglern. Diese waren zum Schlafen auf zwei Katamarane aufgeteilt. Zum Fischen ging es ebenfalls mit zwei kleineren Booten in Vierergruppen an die Abbruchkanten und Plateaus des Ozeans.

Für acht Angler und zwei Betreuer standen ein Koch mit Küchenpersonal, zwei Skipper pro Katamaran sowie drei Crewmitglieder für die Angelboote zur Verfügung. Wer jetzt an Würstchen mit Kartoffelsalat als Verpflegung geglaubt hat, den müssen wir leider enttäuschen. Alleine für die kulinarischen Highlights unseres französischen Koches hätte sich die Reise gelohnt. Geschäumtes Krebssüppchen, Sushi vom Yellowfin-Tuna und Tunfisch in Sesam seien nur einige genannte Highlights. Selbst mittags beim Fischen weit draußen in der prallen Sonne wurde ein drei Gänge Menue aufgetischt. Eine ganz tiefe Verbeugung an dieser Stelle für die Verpflegung!!!

Am ersten Tag ging es zum Speedjiggen. Für erste Begegnungen mit GTs, Groupern und Snappern ideal. Wer nämlich denkt, er hat schon große Fische in deutschen Gewässern gefangen, kann gleich mal anfangen, in völlig anderen Dimensionen zu denken. Man nehme eine Stella 20 000 SW und drehe die Bremse so zu, dass nur mit Gewalt die 35er Geflochtene von der Rolle gezogen werden kann. Dann wird ein 150 Gr Jig mit einem großen Einzelhaken versehen und bei 20 – 80 m Richtung Meeresgrund geschickt. Sobald der Grund erreicht ist, fängt man an den Köder so schnell wie möglich einzukurbeln. Gleichzeitig haben wir dann noch versucht, über Schläge der Rutenspitze den Köder springen zu lassen. Gar nicht einfach und zudem unglaublich anstrengend. Ach ja, Sonne von oben, 30 - 35 Grad und 80%ige Luftfeuchtigkeit sollten auch noch einmal erwähnt werden.

Der Biss eines GTs, Groupers, Snappers oder was dort auch alles rumschwimmt ist mit nichts zu vergleichen, was in europäischen Gewässern herumschwimmt. Bei voller Einholgeschwindigkeit gibt es einen Einschlag in der Rute, den noch keiner von uns erlebt hat. Während die Bremse sofort losschreit (die Bremseinstellung sei hier auch noch einmal erwähnt), muss der Angler verzweifelt versuchen drei bis viermal mit voller Wucht anzuschlagen. Fast unmöglich, wenn man eine Dampflock gehakt hat. Aber die Fische haben so kräftige Kiefer, dass sonst kein Haken im Maul fassen würde.

Nach dem ersten Tag tat uns alles weh. Schulter und Rücken brannten von der ungewohnten Fischerei und die Arme vom Drillen. Dachten wir vor der Reise noch, wir würden ganz gemütlich abends unsere vier bis fünf Bierchen vernaschen, sah die Realität so aus: Gegen 19 Uhr vom Fischen zurück auf dem Katamaran sein, kurz Tackle richten und evtl. schon Duschen gehen. Bei dem begrenzten Wasservorrat nur eine Minute und da man eh sofort wieder schwitzte eigentlich auch unnötig. Dann essen, dazu ein Bierchen, nach dem Essen noch ein Bierchen, die ganz durstigen schafften auch noch ein drittes und dann ab ins Bett.

Ab dem zweiten Tag wurden auch die Popperruten getestet. Neben den Poppern kamen auch Stickbaits zum Einsatz. Gegen Nachmittag sammelten sich Futterfische in großen Schwärmen in Strandnähe kleinerer Inseln. Wir feuerten unsere Köder genau in diese Schwärme. Kurz durchsacken lassen und dann mit kurzen Schlägen einkurbeln. Und ganz wichtig: Die ganze Zeit sicher stehen. Bisse beim Jiggen waren nämlich im Nachhinein eher Ponyhof. An einer 2.70 m Rute macht so ein Biss aus dem nichts wegen des Hebels nämlich erst richtig Spaß. Mehr als einmal purzelten Angler quer durchs Boot, weil die Einschläge derart brutal waren. Bestes Beispiel war der Biss eines +30kg GT von Stefan: Der Fisch sprang in voller Länge aus dem Wasser und stürzte sich kopfüber auf den Köder. Als Zimmermeister haut Stefan ganz sicher so schnell nichts um, aber die Standfestigkeit wurde bei dem Biss schon ordentlich überprüft.

Vor dem Trip träumten alle hauptsächlich von GTs. Die Artenvielfalt hat uns alle überrascht. Neben GTs kamen vor allem Grouper und Snapper in allen erdenklichen Farben an die Oberfläche. Traumhafte Fische, die sich in Sachen Kampfkraft nicht hinter den GTs verstecken mussten. Auch Haie packten sich immer wieder unsere Köder.

Sehr viel Spaß hat auch das Fischen auf Bonitos und kleinere Yellowfin Tunas gemacht. Wurde ein jagender Möwenschwarm gesichtet, wurde der Hebel auf den Tisch gelegt. Die Bonitos wurden als „Bonus-Köder“ ausgelegt, die Yellowfins kamen abends als das beste Sushi der Welt auf den Tisch. Allerdings mussten wir uns beim Drill beeilen. Auch Haie wissen, was gut schmeckt und mehr als einmal gab es einen kräftigen Ruck in der Rute und an die Oberfläche kam ein halbierter Fisch.

Die Zeit verflog und jeden Tag wurden traumhafte Fische gelandet. Aber auch die Fische blieben häufig Sieger. Hauke musste mehr als einmal zusehen, wie ein großer Grouper seinen Köder im Mittelwasser nahm und dann seelenruhig zurück in sein Korallenloch schwamm. Hauke ist als ehemaliger Fischer sicher nicht zimperlich und unser Gerät war schon für ordentliche Fische ausgelegt, aber bei einigen waren wir einfach machtlos.

Für alles war Madagaskar ein einmaliges Erlebnis und Eindrücke wiederzugeben ist unmöglich. Es wird an Orten gefischt, die zuvor noch nie ein Angler gesehen hat. Delphine leisteten uns fast jeden Tag Gesellschaft und riesige Meeresschildkröten durften wir auch bewundern. Diese Natur zusammen mit der Kampfkraft und den Farben der Fische sind einmalig und so sicher nirgendwo anders auf der Welt zu finden.

Ein paar Dinge seien an dieser Stelle aber noch erwähnt, bevor ihr jetzt alle bei Andree´s Expeditions anruft: Die Insel der Schmerzen trägt ihren Namen mit gutem Grund. Die Reise ist körperlich extrem anstrengend. Die Sonneneinstrahlung macht Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor 50+ notwendig. Kopfbedeckung und lange UV sichere Klamotten sind unabdingbar. Sowohl Speedjiggen als auch das Werfen von Poppern und Stickbaits von 150 - 200 Gr ist körperlich extrem anstrengend. In Kombination mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 30 Grad brachte das Einige an ihre körperlichen Grenzen. Es sei auch noch erwähnt, dass das nächste Krankenhaus gute 12 Stunden entfernt ist. Jede Verletzung kann somit ziemlich unangenehm werden. Die Pest hingegen ist kein Kriterium, was einen von der Reise abhalten sollte. Erstens treten die Fälle fast alle im Landesinneren auf und zweitens macht ein Antibiotikum den Bakterien schnell den Gar aus.

Wen diese Dinge nicht abschrecken, der wird das Abenteuer seines Lebens erleben. Es gibt einfach nichts Vergleichbares. Die Mischung aus Einsamkeit, unberührter Natur und einer unglaublichen Fischerei ist einfach einzigartig!!!

Tight Lines

Video des Trips von Andree's Expeditions



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Kommentar von Benny |

Cooler Bericht, genau ins Schwarze getroffen. War auch schon 2 mal dort. Gruss Benny